Als Buch erhältlich:

Ulrich Stoll
Einmal Freiheit und zurück
Die Geschichte der DDR-Rückkehrer


Das Durchleuchtungsheim in Röntgental. Erschütternde Schick- sale aus einem geteilten Land. Ab September 2009 im Handel.
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Terroristen in Röntgental? PDF Drucken E-Mail

Wiederholt haben Publizisten und Historiker behauptet, die Aussteiger der „Roten Armee Fraktion“ (RAF) seien im Zentralen Aufnahmeheim (ZAH) in Röntgental von der Stasi versteckt worden. Ein Irrtum, der auf gefälschten Stasi-Akten und einem missverstandenen Interview basiert.


Auskunfts- und Aufnahmestelle Berlin-Pankow, Parkstraße 41

Wiederholt haben Publizisten und Historiker behauptet, die Aussteiger der „Roten Armee Fraktion“ (RAF) seien im Zentralen Aufnahmeheim (ZAH) in Röntgental von der Stasi versteckt worden. Ein Irrtum, der auf gefälschten Stasi-Akten und einem missverstandenen Interview basiert.

Im Spiegel 34/1990 erklärte der RAF-Aussteiger Baptist Ralf Friedrich, er und Sigrid Sternebeck seien von einem MfS-Offizier vom Flughafen Schönefeld nach Pankow gebracht worden: „Wir sind in ein großes vergittertes Gebäude geführt worden, das war das ganz normale Einwanderungsbüro.“

Friedrich meinte offenbar die zentrale „Auskunfts- und Aufnahmestelle“ des DDR-Innenministeriums in der Parkstraße in Berlin-Pankow, deren Erdgeschossfenster auch zu DDR-Zeiten vergittert waren (siehe Foto).

In seinem  Buch „Tödlicher Irrtum“ verwechselt Butz Peters das Zentrale Aufnahmeheim Röntgental mit der Aufnahmestelle Pankow. Peters schreibt über die Ankunft von Friedrich und Sternbeck in der DDR: „Vom Flughafen in Berlin-Schönefeld holt sie ein MfS-Mann ab und bringt sie ins Zentrale Aufnahmeheim der DDR in Röntgental“. (S.556)

Auch Bernd Stöver übernimmt in seinem Buch „Zuflucht DDR“ die Fehlinformation: „Die... Raf-Aussteiger waren natürlich keine gewöhnlichen DDR-Übersiedler. Dennoch wurden zwei von ihnen, Ralf Baptist Friedrich und Sigrid Sternebeck noch auf den ’normalen Weg’ als Zuziehende geschickt. Zusammen mit anderen Bundesbürgern fanden sie sich im 1979 gerade eröffneten Zentralen Aufnahmelager in Röntgental wieder.“ (S. 304)

Peters und Stöver beziehen sich offenbar auf das Friedrich-Interview aus dem Jahr 1990, denn beide Autoren erwähnen, dass Friedrich sich im „Aufnahmelager“ nicht an sein legendiertes Geburtsdatum erinnern konnte. Diese Anekdote hatte Friedrich im Spiegel wiedergegeben.

Sogar das Landgericht Berlin ging von der falschen Annahme aus, dass das MfS RAF-Mitglieder in Röntgental versteckt hielt. Tatsächlich hatte die Abteilung XXII der Staatssicherheit Akten des Aufnahmeheims nachträglich angelegt, um den Zuzug der Terroristen in die DDR zu verschleiern und als normale Aufnahmeverfahren darzustellen. Doch es wäre viel zu gefährlich gewesen, die RAF-Aussteiger im ZAH Röntgental unterzubringen. Mehr dazu im letzten Kapitel des Buches „Einmal Freiheit und zurück“.

 
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