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Ulrich Stoll
Einmal Freiheit und zurück
Die Geschichte der DDR-Rückkehrer


Das Durchleuchtungsheim in Röntgental. Erschütternde Schick- sale aus einem geteilten Land. Ab September 2009 im Handel.
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Zentrales Aufnahmeheim Zepernick / Röntgental

Ab 1979 konzentrierte die DDR-Führung die Rückkehrer und Übersiedler in einem einzigen Heim in Zepernick (Ortsteil Röntgental) nördlich von Berlin. Jeder, der in die DDR nach der Flucht in den Westen zurückkehrte oder in die DDR übersiedeln wollte, musste einen mehrwöchigen haftähnlichen Lageraufenthalt hinnehmen. Erst nach penibler Überprüfung durch Volkspolizei und Staatssicherheit (MfS) durften die Neubürger und Rückkehrer in Bezirksheime ziehen. Von dort wurden sie auf ihre künftigen Wohn- und Arbeitsgebiete verteilt.

Das „Zentrale Aufnahmeheim“ (ZAH) Röntgental bot zeitweise Platz für über 200 Lagerinsassen. Anfangs standen den Rückkehrern drei eingeschossige Unterkunftsbaracken und eine Versorgungsbaracke (Haus 5 bis 8) zur Verfügung. Ab 1986 waren sie im siebengeschossigen Plattenbau (Haus 11) in Ein- bis Zweibettzimmern untergebracht. Die erste Nacht im Lager verbrachten die Rückkehrer in der sogenannten Quarantäne (Haus 3), einem umzäunten Isolationsgefängnis auf dem Lagergelände. Verhöre fanden anfangs im Gebäude des MfS (Haus 1), später im obersten Stock des Plattenbaus (Haus 11) statt.

Nach Zeitzeugenberichten und den MfS-Akten hielten sich gleichzeitig zumeist 30 Rückkehrwillige und Umsiedler auf dem 17 Hektar großen Gelände auf. Ihnen standen weit über hundert Bewacher, Vernehmer und Betreuer gegenüber. Zugleich versuchte die SED, die Rückkehrer propagandistisch zu nutzen. Sie sollten als Beleg dafür dienen, dass das Leben im Westen nicht erstrebenswert sei. 1985 behauptete das SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“, dass über 20.000 ehemalige DDR-Bürger aus der Bundesrepublik zurückkehren wollten, weil sie die Arbeitslosigkeit und die menschliche Kälte im Westen angeblich nicht aushielten. Tatsächlich durchliefen lediglich 311 Personen das ZAH Röntgental in diesem Jahr.

Lageplan des Zentralen Aufnahmeheim Röntgental:


1: Dienstgebäude des MfS
2: Zollbaracke
3: Isolationsgebäude (»Quarantäne«)
4: Wache
5 – 8: Unterkunftsbaracken
9: Werkstattgebäude
10: Technikgebäude
11: Haupthaus (Neubau 1986) für Rückkehrerunterkünfte, Büros,
Speisesaal, Krankenstation und Vernehmerzimmer
12: Heizhaus

Fotogalerie:




Haus 11, Unterkunft der DDR-Rückkehrer von 1986 bis 1989. Das Gelände war durch einen Blechzaun und einen Drahtzaun gegen Fluchtversuche gesichert.
Haus 11, Hauptgebäude des ZAH Röntgental. Haus 11, Hauptgebäude des ZAH Röntgental.
Ehemaliger Clubraum im Haus 11.
Hier wurden den Rückkehreren DDR-
Propagandafilme vorgeführt.
Flur im ehemaligen Haus 11 des ZAH Röntgental, heutiger Zustand.
Originalkachelung im Bad im Haus 11 des ehemaligen Zentralen Aufnahmeheims.
Treppenhaus in Haus 11, der Unterkunft für DDR-Rückkehrer. Zimmer in Haus 11 des Rückkehrerheims, heutiger Zustand.
Toilette mit Originalkacheln im ehemaligen Haus 11 des ZAH, heutiger Zustand.

Wachgebäude am Hintereingang des ZAH Röntgental.
Zollbaracke. Hier durchsuchte die Staatssicherheit das Gepäck der DDR-Rückkehrer.
Haus 2: Zollbaracke des Zentralen Aufnahmeheims Röntgental
Hier fanden bis  1986 Verhöre der DDR-
Rückkehrer durch Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit statt.
Technikgebäude auf dem Gelände des ZAH. Kegelbahn auf dem Gelände des Rückkehrerheims. Es gab für die Lagerinsassen kaum Beschäftigungs-möglichkeiten während ihrer mehrwöchigen Gefangenschaft.
Zollgaragen und Zollbaracke. Die Fahrzeuge der Rückkehrer wurden weggeschlossen und akribisch durchsucht.

Eingang zum Schießtunnel an der Rückseite des ZAH-Geländes. Hier soll Erich Mielke mit der Waffe trainiert haben.
 
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